|
V4.1
DIESE SEITE WIRD NACH BEDARF IMMER WEITER AKTUALISIERT!
Im Folgenden sollen die Erkenntnisse wiedergegeben und
festgehalten werden, die Anfänger im RC
Line Forum immer wieder erfragen. Diese Erkenntnisse haben sich in
zahlreichen Diskussionen als Einsteiger-Grundwissen herauskristallisiert
und sind nicht als Werbung zu verstehen!
Zwei Sprichwörter vorab, die ich beim Einstieg selbst
hören musste und denen ich inzwischen voll und ganz zustimme:
"Wer billig kauft, kauft zweimal!"
"Man hat nie Zeit und Geld etwas gescheit zu bauen,
aber immer Zeit es zweimal zu bauen!"
Inhalt
1. Allgemeines
1.1 Simulatoren
1.2 Haftpflichtversicherung
1.3 Fluggelände
2. Fernsteuerung
2.1 Frequenz
2.2 Fernsteuerungssender
3. Flugzeug
3.1 Modell
3.2 Zubehör
4. Ladegeräte & Akkus
4.1 Ladegeräte
4.2 Akkus
5. Kaufadressen
6. Kosten
7. Erstflug
1. Allgemeines
1.1 Simulator
Es gibt diverse Simulatoren (FMS, Aerofly, Realflight) zu kaufen, die
Preise reichen von umsonst bis zu mehreren Hundert Euro. Der FMS
ist umsonst und hilft einem bei den ersten Flugversuchen, auch wenn er
nicht absolut realistisch ist. Er zeigt einem z.B., wie man lenken muss,
wenn der Flieger auf den Piloten zufliegt, im Rückenflug auf den
Piloten zufliegt etc. Mit einer angeschlossenen Fernbedienung oder einem
Dreiachsenjoystick kann man hier viel Geld sparen, das man sonst auf der
Wiese zerbröselt. Weitere Modelle gibts als Download nach der Registrierung
bei RC-Sim.
1.2 Haftpflichtversicherung
Jeder Modellflieger braucht eine! Die normale Haftpflicht reicht NUR,
wenn man eine schriftliche Bestätigung hat, das auch motorgetriebene
Modelle mitversichert sind. Es gibt diverse Versicherungen speziell für
Modellflieger ab ca. 24 Euro p.a. aufwärts. Ein Flieger gerät
grad bei Beginnern öfter mal außer Kontrolle. Landet er in
einem fahrenden Auto oder schlägt mit fast 2 Kilo in den Kopf des
Freundes, könnte dies euer zukünftiges Leben grundsätzlich
(nicht nur finanziell) verändern....
1.3 Fluggelände
Der Eintritt in einen Modellflugverein ist natürlich die beste Lösung.
Man hat ein einwandfreies Flugfeld, helfende Freunde, kommt billig an
Gebrauchtwaren und hat keinen Ärger mit Jägern, Bauern oder
Umweltfanatikern, die nicht wissen, wie schön Vögel mit Fliegern
in Formation fliegen.
Falls man diese Möglichkeit nicht hat oder kein "Vereinsmensch"
ist und deshalb Wildflieger (große, freie Wiese, ohne irgendwas
zu gefährden) wird, sollte man auf folgende Punkte achten. Es gibt
eine Luftverkehrsordnung
und die enthält in etwa folgende Regeln (solange kein Flughafen in
der Nähe ist, dann muss man schon Karten lesen können, Dortmund
z.B. ist nahezu komplett gesperrt):
a) Elektromodelle unter 5 kg dürfen überall
betrieben werden, es sei denn es wäre eine grob fahrlässige
Aktion (z.B. Fußgängerzone).
b)Verbrennermodelle dürfen nur in einer Entfernung von mindestens
1,5 km vom nächsten Wohngebiet geflogen werden.
c) Generell ist die Erlaubnis des Grundstückseigentümers einzuholen.
2. Fernsteuerung
2.1 Frequenz
35 MHz ist nur für Flieger
reserviert und kein Nachbarskind mit Autochen oder Garagenfernsteuerung
ruiniert den Flieger, dafür kann man keine anderen Modelle ansteuern.
Die alten Regelungen mit Anmeldung und Gebühr sind überholt.
40 MHz: Hier sind nur die Kanäle 50 bis 53 für Flieger erlaubt,
dafür keine Gebühren und Anmeldungen, alle Kanäle sind
für Boote, Autos etc. zugelassen. Falls man in der Einöde fliegt,
ist dies ein Kompromiss.
27 MHZ: Hiervon ist abzuraten, weil es zuviele Störungen, Funkgeräte
etc. gibt. Für Autos mag dies reichen, aber nicht für Flieger.
2.2 Fernsteuerungssender
Die erste Fernsteuerung sollte eine "Einstiegs"-Computeranlage
sein. Ansonsten läuft man Gefahr, innerhalb kürzester Zeit (halbes
Jahr) eine neue Anlage kaufen zu müssen. Die Anlage kann z.B. von
Graupner, robbe oder Multiplex sein, Kosten ca. 110 bis 150 Euro, vergleicht
die Funktionen und entscheidet selbst, was euch wichtig ist. Manchmal
entscheidet auch das Handling, die Programmierung oder das Gewicht. Ungefähre
Anforderungen:
- 5 Kanäle, damit man Höhenruder,
Seitenruder, Motor und zwei Querruder ansteuern kann. Ausserdem sollte
die Anlage auf mehr Kanäle ausbaubar sein, um später weitere
Funktionen am Modell steuern zu können, indem man einen Mischer
oder Schalter einbaut
- verschiedene Mischer, z.B.:
- Delta-Mischer, um Modelle steuern zu können,
die nur zwei Querruder haben und darüber auch die Höhe regeln
indem sie gemeinsam in eine Richtung schwingen.
- Seiten-Quer-Mischer, diese mischen zum Querruder Seitenruder hinzu,
da manche Modelle (auch
Großflugzeuge) dies für eine gescheite Kurve benötigen.
- Flaperonmischer, um mit den Querrudern als
Ladeklappen die Geschwindigkeit zu drosseln.
- V-Leitwerksmischer, um Modelle mit einem V-Leitwerk steuern zu können
- frei wählbare Mischer, die man nach Bedarf einsetzt
- Expo, hiermit reagieren die Ruder nicht mehr linear
zum Knüppel, d.h. bei kleinem Ausschlag der Knüppel
(z.B. 20%) werden die Ruder etwas weniger bewegt (z.B. 10 %), dies hilft
bei Modellen, die sehr heftig reagieren, bei denen man aber auch den
Vollausschlag (100%) braucht. Dieser bleibt nämlich gleich. Man
macht ansonsten z.B. eine Rolle statt einer Kurve.
- mehrere Modellspeicher, das nächste Flugzeug
kommt bestimmt ;)
- Unterspannungsanzeige mit Ton, dies hat mir schon
viele Flieger gerettet, die mit einer stromlosen Fernsteuerung ....naja......sagen
wirs so: "Der Flug wär kreativer geworden!!"
- Heliprogramm, falls an einem Heli Interesse besteht.
3. Flugzeug
3.1 Modell
Natürlich kann sich jeder dieses oder jenes Modell kaufen. Die Frage
ist, ob er es schon beherrscht und wie lang es hält. Generell sollte
man meiner Meinung nach zum Einstieg Elektromodelle den Verbrennern vorziehen,
mit Profihilfe und Lehrer-Schüler-System mag auch Verbrenner klappen.
Bei dem Modellkauf muss im Gegensatz zu allen
anderen Käufen beachtet werden, dass ein zu großer Anforderungssprung
an den Piloten leider zu Bruch führt, viele Anfänger erliegen
dem Trugschluss, Geld sparen zu wollen und sich gleich etwas "Richtiges"
zu holen...hauen dies in den Boden und kaufen dann etwas ihren Anforderungen
Entsprechendes...die Ergebnisse sieht man bei Ebay.
In vielen Diskussionen haben sich sowohl die Easystar, die Pico Cub als
auch die Twinstar (neu: Twinstar 2) von Multiplex als gute Einsteigermodelle
herauskristallisiert. Easystar und Pico Cub sind recht einfach über
Höhe und Seite zu fliegen, bei Bedarf können Querrudder nachgerüstet
werden. Der Twinstar ist ein "echter" Querruderer und auch etwas
schneller, aber nach einiger Übung am Simulator auch kein Problem.
Und für alle genannten Flieger gilt: Sollte es mal krachen, dann
kann mans direkt vor Ort wieder kleben und weiterfliegen.Außerdem
werden auch oft Nurflügler aus EPP empfohlen.
Mit Sicherheit gibt es auch entsprechende Flieger von anderen Firmen,
aber es gibt leider auch "Billigflieger", die nach dem ersten
Bruch hin sind und die Freude am Fliegen verderben....
3.2. Zubehör
Ein typischer Anfänger-Flieger braucht weiterhin:
a) Einen Empfänger der die Funksignale in elektrische umwandelt,
ca. 35 Euro
b) Einen Flugregler, der Strom vom Akku für die Steuerung abzwackt
und die Leistung regelt, ca. 35 Euro
c) Zwei bis vier Servos, die die elektr. Signale in mechanische umwandeln,
Stückpreis von ca. 10 bis 25 Euro
4. Ladegeräte und Akkus
4.1 Akku-Ladegeräte
Die Ladegeräte gibt es in allen Preisklassen mit immer besseren Funktionen.
Ausserdem können sie in 12 Volt-(Autobatterie) oder 230 Volt-Geräte
(Steckdose) (und beides) unterteilt werden. Die 12 Volt Geräte gefallen
mir vom Preis/Leistungsverhältnis besser, für zuhause kann man
sich ja ein Netzteil hinzukaufen oder aus einem PC-Netzteil bauen.
Ein "Einstiegslader" sollte folgende Merkmale haben, wenn er
länger halten soll:
- Zellenzahl ca. 1 bis 25 - 30
- Delta-Peak-Abschaltung
- Laden aller gängigen Akkutypen (NiCd, NiMH, Li-Ionen, Li-Polymer,
Blei)
- Display zur Anzeige der wichtigen Daten (Strom, Spannung, Kapazität)
- Niedrige Ströme (ab ca. 100 mA) für das Formieren, hohe
(ca 5 A) für das Schnellladen
- Automatikmodus, Manuelle Stromwahl, Pflegeprogramme (Laden-Entladen),
Entladen
Im RCL Forum haben sich zum Einstieg die folgenden Geräte
ergeben:
- Simprop Intelli Control, ca. 100 Euro, gutes Preisleistungsverhältnis
- Schulze ISL 6 330 d, ca. 150 Euro, bietet etwas mehr Möglichkeiten
4.2. Akkus
Dies ist ein weites Feld. Man kann wählen zwischen NiCd, NiMH und
den neuen Lithiumionen- und Lithiumpolymerakkus. Die Entscheidung hängt
auch immer von dem vorhanden Lader und seinem Können ab. Als Hilfe
sei hier auf Gerds
Datenbank und die Akkueinsteigerhilfe
auf dieser Homepage verwiesen!
5. Kaufadressen
Die Onlineshops sind meist um Längen billiger als
die Shops vor Ort, dafür gibts teilweise keine Beratung, die kann
man sich aber im Verein oder z.B. im RCLine-Forum holen. Eine vollständige
Liste kann ich hier nicht aufführen, ich habe bisher mit folgenden
Firmen gute Erfahrungen gemacht:
Dieter
Kalb KD-Modelltechnik
Battmann
Staufenbiel
Andys Modellbaushop
Höllein
Ellen Schwab
Ausserdem sollte man immer Gebrauchtkäufe in betracht
ziehen, gerade bei Ebay kann man gute Schnäppchen machen SOLANGE
man die Gebote mit den Neupreisen der obigen Firmen vergleicht und rechtzeitig
aufhört zu bieten.
Bei Flugzeugen kanns einige Probleme geben, ich hab einige Gebote gesehen,
wo anscheinend nur der Keller vom Müll befreit werden sollte ;).
Da sollte man das Gewicht erfragen und mit den Herstellerangaben vergleichen.
6. Kosten
Was kostet der Modellflugeinstieg?? Zunächst
sei nochmal auf meine obigen Sprichwörter hingewiesen. Natürlich
kann man sich ein sehr billiges Einsteigerset kaufen,
meiner Meinung nach leidet dann aber der Spass, falls das
Fieber einen packt, muss man nach ca. einem halben Jahr alles neu kaufen
und wird die anderen Sachen nicht mehr los. Falls einen das Fieber nicht
packt, kann man normale Sachen immer wieder gut in den großen Onlinehäusern
versteigern.
Die Kosten, grob abgeschätzt nach den derzeitigen
Händlerangeboten:
Fernsteuerung: ca. 130 Euro (Mittelwert, s.o.)
Akkuladegerät: ca. 125 Euro (Mittelwert, s.o.)
Pico Cub mit Motor: ca 54 Euro
dazu Getriebe+Luftschraube: ca. 16 Euro
dazu Akku: 8 x N3US: ca 14 Euro
dazu 2 Servos: ca. 30 Euro
dazu Regler: ca. 35 Euro
dazu Empfänger: ca 35 Euro (falls nicht in Fernsteuerung enthalten)
Summe Pico Cub: 184 Euro
Twinstar mit Motor: ca 70 Euro
dazu Akku: 8x RC2400: ca. 36 Euro
dazu 4 Servos: ca: 50 Euro
dazu Regler: ca: 35 Euro
dazu Empfänger: ca 35 Euro (falls nicht in Fernsteuerung enthalten)
Summe Twinstar: 226 Euro
7. Erstflug
Man suche sich ein großes freies Gelände
(Erlaubnis des Eigentümers einholen!) und nehme einen Freund mit.
Vor dem Start wird die Reichweite bei eingefahrender Antenne gemessen,
indem der Freund mit dem Flieger langsam weggeht und alle paar Meter in
Brusthöhe (Fernsteuerung und Flugzeug) die Funktionen getestet werden.
Auf diese Weise sollten ca 80 m erreicht werden, ohne dass Fehlfunktionen
(Servozittern, Motor springt an, etc.) eintreten.
Nun werden nochmal alle Ruder geprüft, besonders die Ausschlagsrichtung,
auch erfahrene Piloten haben schon Flugzeuge zerstört, nur weil die
Ruderansteuerung verkehrt rum lief.
Ist alles bereit, wirft der Freund die Maschine WAAGERECHT gegen den
Wind, währenddessen gibt der Pilot Vollgas und korrigiert nur und
zieht nicht hoch, damit das Flugzeug Geschwindigkeit erreicht. Viele Anfänger
ziehen direkt, um schnell vom Boden wegzukommen, das Flugzeug wird langsam,
bleibt "stehen" und fällt runter, weil keine Strömung
mehr an den Tragflächen anliegt (Strömungsabriss). Generell
sollte man erstmal vorsichtig lenken und ein paar große Kreise ziehen,
damit man sich an das Flugzeug gewöhnt. Leider wird das Ding unweigerlich
wieder den Erdboden berühren, also sollte man nun beginnen, in Sicherheitshöhe
Landungen zu simulieren, um vorbereitet zu sein.
Auch die Landungen werden gegen den Wind ausgeführt. Zuerst den Motor
abschalten und nun langsam gegen den Wind segeln, dabei das Flugzeug durch
leichtes Ziehen am Höhenruder "aushungern" (=langsam machen),
gleichzeitig sackt es dabei leicht durch. Hier gilt es genau den Punkt
zu treffen (und zwar kurz über der Erde), an dem der Flieger sehr
langsam ist, aber noch nicht die Strömung abgerissen ist. Sollte
diese abreissen, kippt das Modell meist über die Nase oder eine Fläche
nach unten, nimmt Fahrt auf und wird wieder steuerbar. Wie dies beim Start
oder bei der Landung ausgeht (jeweils ca 1 m über Grund), kann man
sich ausmalen: Das Modell rammt sich fast senkrecht in den Boden. Deshalb
wirft ein Werfer auch waagerecht, damit der Flieger nicht steil hoch geht,
aber auch steil wieder runter kommt.
Das Flugzeug kommt also in ca 1m Höhe gegen den Wind gesegelt, sackt
dabei durch Höhe immer weiter runter und wird langsamer, bis es sanft
auf dem Boden gleitet und zum Stillstand kommt.
Da bei solchen Erstflügen die Landebahn NIE groß genug sein
kann, empfiehlt es sich, rechtzeitig zu landen, um im Notfall durchstarten
zu können. Wartet man, bis der Akku leer ist, hat man nur eine Chance...
Nach der Landung werden einmal alle Ruder bewegt um Schäden festzustellen
und dann das Modell und anschließend der Sender abgestellt. Nun
kann das Flugzeug komplett untersucht werden. Diese Nachuntersuchungen
sind wichtig, damit beim nächsten Start nicht erst in der Luft festgestellt
wird, das z.B. eine Ruderanlenkung bei der letzten Landung im Gras hängengeblieben
ist.
Soweit die ganz groben Grundlagen, wer jetzt noch einsteigen
will, bereite sich auf jede Menge Lernen, Stress und natürlich SPASS
vor!!!
|